thomas Juni 22nd, 2008
Es tut mir leid, dass ihr so lange auf neue Nachrichten aus China gewartet habt. Das Semester geht ja dem Ende zu und ich hatte in der letzten Woche noch einige Seminararbeiten und Präsentationen fertig zu stellen gehabt und bin so einfach nicht zum aktualisieren gekommen. Das Wichtigste nun aber chronologisch in Kürze:
„Chinesen sind Chinesen und bleiben Chinesen“ – diesen Satz habe ich von Danny Stötzer, Leiter der Chinaredaktion sowie Chief Representative China der Zeitschrift “aktuell ASIA”. Mit ihm und Saudi verbrachte ich einen sehr interessanten und lustigen Abend am vorletzten Mittwoch. Danny ist schon seit 21 Monate en hier in Shanghai (insgesamt seit zwei-einhalb Jahren in China) und berichtet seinen deutsprachigen Lesern über aktuelle wirtschaftliche Geschehnisse und Zusammenhänge aus China. Durch seinen Job und seiner Neugier kommt er viel in Asien herum und hat schon so einiges erlebt. Er hat mir zum Beispiel von einer wirklich schrägen Gesundenuntersuchung erzählt (bei der er sich eine von mehreren gebrauchten Spritzen zur Blutabnahme aussuchen musste), wie ihn Chinesen in einer Bar in der Parallelstraße der Nanjing Dong Lu betrogen haben (inklusive Kreditkartenbetrug) oder von seiner Backpacking Tour (Rucksacktour) entlang der Westküste von Malaysia (im Jahre 2000; also lange vor seiner Tätigkeit für die “aktuell ASIA”). Der Abend klang beim Analysieren des Tiroler Landtagswahlergebnisses im 66. Stock des Le Royal Meridien aus.
Am darauf folgenden Freitag hatten wir dann unsere feierliche Abschlusszeremonie bei der wir unsere Teilnahmebestätigungen am MCM-Programm erhalten haben. Tenor: „Es war so toll und wir alle haben uns so lieb… blabla“. Nein, war recht nett – das Buffet war allerdings etwas schwach (ein paar Kekse aus – na was wohl – getrocknetem Fleisch) und zum trinken gab’s nur Wasser (zum Glück nicht aus der Leitung, schmeckte aber so). Ehrlich gestanden hat sich bei mir schon ein wenig Wehmut wegen dem Abschied breit gemacht. Dieser war aber am späteren Abend im Hard Rock Cafe schnell wieder vergessen. Dorthin hat uns nämlich Professor Hong Bing (vulgo Vokuhila, ein wirklich cooler Typ) eingeladen. Die Bude war ziemlich herunter gekommen, aber dafür gab es „harte“ Musik von Aerosmith bis Pink Floyd. Beim Mäxchen-Spiel (ein Würfelspiel bei dem man einschätzen muss, ob der andere lügt) mit Michi, Sarah und den Professoren (Vokuhila und der „Filmtyp“) bin ich voll eingefahren. Ich weiß nicht, hab ich keine Menschenkenntnis oder ist Sarah einfach so eine gute Schwindlerin? Musste jedenfalls in fast jeder Runde einen großen Schluck Bier trinken – ich arme Sau ;-). Dass Vokuhila übrigens Alkoholiker oder zumindest Spiegeltrinker ist, hat sich an diesem Abend bestätigt – ich habe nämlich einen seiner besten Freunde kennen gelernt, der „Tsingtao-Toni“ genannt wird (Tsingtao ist eine der beliebtesten Biersorten hier in China). Gegen Mitternacht sind Tina, Michi und ich noch ins Schelters zum abtanzen gefahren….
Als wäre meine Leber nach diesen drei Abenden nicht schon genug strapaziert gewesen (die Regenerationszeiten werden immer länger - werde anscheinend doch langsam alt) hat ja am vergangenen Montag „Deutschlang gegen Österreich“ bei der Euro08 gespielt. Ein Schlager, den wir uns selbst in Shanghai nicht entgehen lassen wollten. Dank meiner Kommilitoninnen mit eigenen Trikots ausgestattet, ging’s zuerst zum Vorglühen ins Windows (das kleine Bier kostet dort nur einen Euro) und anschließend in ein Irish-Pub, wo eine Großbildleinwand trotz später Stunde (3 Uhr Nachts) zahlreiche deutsche und österreichische Fußballfans anlockte. Die Stimmung war recht gut – das Ergebnis des Spiels eher weniger.
Nicht dass ihr jetzt denkt: Der sauft ja nur!
Nein, wie gesagt, den Rest der letzten Woche hab ich dann mit viel Cafe beim schreiben verbracht. Wir (Qi, Lyin, Jonas und ich) haben nämlich eine sehr interessante empirische Arbeit über die drei meistgelesenen Zeitungen in Shanghai gemacht. Na ja, einen Nobelpreis werden wir dafür nicht bekommen - aber dennoch, es ist wirklich erstaunlich, in welch hohen Maße sich die Berichterstattung in China gegenüber unserer unterscheidet und wie stark sich die Journalisten hierzulande Selbstzensurieren. Jetzt will ich euch aber mit diesem Fachkram nicht langweilen – wenn es jemanden genauer interessiert, der kann ja gerne die Arbeit von mir haben. Übrigens in meiner zweiten Arbeit habe ich mich mit chinesischer Mythologie beschäftigt – auch sehr interessant. Habt ihr gewusst, dass die Chinesen angeblich aus dem Inzest zweier Schlangen-Menschen entstanden sind?
Wie dem auch sei, am Samstag sind wir (nur noch der sprichwörtliche „letzte Rest vom Schützenfest“ – da einige schon abgereist sind) schließlich noch mit Hannah (hat uns in diesem Semester in chinesischer Kultur unterrichtet) essen gegangen. Bei Kartoffeln mit Fleisch, Hühnersuppe mit Bambus, Tofu und allerlei Gemüse hat sie einen Satz von Nikita Chrustschow zitiert, der gemeint hat: „Diese Speisen gemeinsam zu essen sei wirklich Kommunismus“. Hm, ehrlich gestanden bleib ich dann doch lieber kapitalistischer Demokrat und schlage mir mit Speckknödel, Tiroler Gröstl oder Schnitzel den Bauch voll.
Kulinarisch ging es auch heute weiter – zum letzten Mal bin ich mit Claire in die „old Town“ gefahren und hab verschieden „Xiao long bao’s“ (spezielle Teigtaschen mit verschiedenen Füllungen, die in einen Bambusbehälter gedämpft werden) verköstigt.
Noch ein Statement zum Wetter: Also derzeit ist es in Shanghai kaum zum aushalten. Klimatisch herrscht derzeit eine üble Mischung aus extrem hoher Luftfeuchtigkeit und drückender Hitze (wobei die noch ärger werden soll im Sommer). Die „Regenzeit“ (ca. ein Monat) bringt mit sich, dass die Wäsche durch die Feuchtigkeit einfach nicht mehr ganz trocken wird und man dennoch eimerweise schwitzt.
So, nun seid ihr über mein Leben hier wieder upgedatet. Nur noch vier Tage, dann geht’s auch für mich wieder zurück in die Heimat. Noch zum Abschluss einen Gruß ins Zillertal: Susi und DoEke – alles Gute und die besten Glückwünsche zu eurer Hochzeit!